ATD Vierte Welt in Deutschland
Bereits im Jahr 1958 unternahm Père Joseph Wresinski seine erste Reise nach Deutschland. Eine der ersten Volontärinnen stammte aus diesem Land. Er ist des Öfteren dorthin zurück gekehrt und betonte dessen Bedeutung für die Gestaltung Europas.
Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 gewannen die Menschen in Deutschland Freiheit zurück. Politische Einheit wurde vollzogen, aber zwanzig Jahre später spüren viele Menschen noch immer eine soziale Ungleichheit, die wie eine unsichtbare Mauer weiterhin das Land durchzieht.
An zwei Orten sind heute Volontäre in Deutschland tätig:
- In München, der Großstadt im Süden, in deren Schatten Armut wächst und zugleich die Scham der Menschen, die von ihr betroffen sind;
- In Neudorf, im ländlichen Raum Brandenburgs, wo sich viele Menschen als Verlierer der Geschichte fühlen.
Darüber hinaus gibt es über das Land verteilt "Antennen" – weitere Orte, an denen Menschen sich mit ATD Vierte Welt und in ihrem Alltag engagieren.
In München, Berlin und Leipzig ist der 17. Oktober das Projekt, das Begegnung ermöglicht und die Achtung der gleichen Würde aller Menschen einfordert. Grundlagen dafür schaffen vor allem das "Basisforum Vierte Welt" in München sowie das "Forum für die Gemeinschaft in Europa" in Haus Neudorf.
Konkret erfordert das:
- Menschen in Dialog miteinander bringen, die einander sonst kaum wahrnehmen würden, damit sie partnerschaftlich Lösungen suchen, wie jeder Mensch sein Bestes geben kann zum Wohl aller;
- vor allem junge Menschen aller Milieus für ein Engagement in diesem Sinne begeistern, ihnen Lust machen auf friedlichen Widerstand gegen Ungleichheit;
- sich kontinuierlich weiterbilden, was Armut und Ausgrenzung in der Geschichte der Welt und für die betroffenen Menschen "hier und heute" bedeuten;
- Partner finden, die finanzielle Hilfe leisten können, und sie überzeugen, dass dieses Engagement notwendig ist für das Zusammenleben aller in der Gesellschaft.
ATD Vierte Welt wirkt in Deutschland mit
- im Forum Menschenrechte, um Armut und Ausgrenzung in Zusammenhang mit den Menschenrechten zu bringen ;
- in der Nationalen Armutskonferenz (Teil des EAPN), um auf längere Sicht Menschen, die Armut und Ausgrenzung selbst erleben, eine Stimme in Politik und Gesellschaft zu geben.





